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Drei ungewöhnliche Namen für drei unterschiedliche Wege, Teil von OpenMycoNet zu sein

13.09.2026 · de

Wer sich bei OpenMycoNet etwas genauer umsieht, stößt früher oder später auf drei Begriffe, die nicht unbedingt selbsterklärend sind: Mycelist, Hyphist und Sporist.

Wir hätten es uns natürlich einfacher machen können. Mitglied, Kooperationspartner und Förderer hätte auch funktioniert. Aber OpenMycoNet beschäftigt sich mit Netzwerken – und da lag es nahe, auch die Menschen dahinter als Teile eines solchen Netzwerks zu betrachten.

Die drei Bezeichnungen stehen deshalb für unterschiedliche Formen der Beteiligung an OpenMycoNet. Sie bilden keine Rangordnung und sagen auch nichts darüber aus, wie „wichtig“ jemand für das Projekt ist. Ein Mycelist ist nicht weniger wert als ein Hyphist und ein Sporist steht nicht über den beiden anderen.

Es sind schlicht unterschiedliche Rollen in demselben Netzwerk.


Warum gerade diese Namen?


Die Bezeichnungen sind nicht zufällig gewählt.

Das Myzel ist das weit verzweigte Geflecht eines Pilzes. Es besteht aus unzähligen feinen Pilzfäden, den Hyphen. Und die Sporen sorgen dafür, dass Pilze sich verbreiten und an anderer Stelle etwas Neues entstehen kann.

Genau dieses Bild haben wir auf OpenMycoNet übertragen.

Der Mycelist steht für die Community – für das größere Netzwerk, das durch viele Menschen entsteht.

Der Hyphist leitet sich von den Hyphen ab. Sie durchziehen das Myzel und bilden gemeinsam das Geflecht. Für uns passt dieses Bild zu den Menschen, die ihr Fachwissen einbringen und OpenMycoNet durch Zusammenarbeit mit anderen Bereichen verbinden.

Und schließlich der Sporist. Wie eine Spore schafft er die Voraussetzung dafür, dass an anderer Stelle etwas Neues entstehen und wachsen kann. Bei OpenMycoNet geschieht das durch finanzielle Unterstützung oder andere Ressourcen.

Die Begriffe beschreiben also nicht nur drei Rollen. Sie greifen dasselbe biologische Bild auf, auf dem auch die Idee von OpenMycoNet beruht: Viele unterschiedliche Teile bilden gemeinsam ein Netzwerk.

Der Mycelist – Teil der Community


Der Mycelist ist zunächst einmal das, was man anderswo vermutlich einfach als registriertes Mitglied bezeichnen würde.

Wer sich bei OpenMycoNet anmeldet, kann sich informieren, Entwicklungen verfolgen und Teil der Community werden. Dafür braucht es weder ein eigenes Labor noch wissenschaftliche Vorkenntnisse und auch keinen BioComm-Knoten im Garten oder im Wald.

OpenMycoNet besteht nicht nur aus Technik, Messdaten und Forschung. Das Netzwerk lebt auch von den Menschen, die das Projekt begleiten, Fragen stellen, Ideen einbringen oder einfach neugierig darauf sind, was sich aus vielen Messungen irgendwann lernen lässt.

Ein Mycelist muss also nicht „mehr“ tun, um dazuzugehören. Die Registrierung selbst ist bereits eine Form der Teilnahme.


Der Hyphist – wenn aus Interesse Zusammenarbeit wird


Beim Hyphisten geht es einen Schritt weiter. Hyphisten sind Menschen oder Organisationen, die OpenMycoNet mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung oder ihren Möglichkeiten konkret begleiten.

Das ist für ein Projekt wie unseres besonders wichtig.

Ich selbst bin Entwickler und Initiator von OpenMycoNet, aber kein ausgebildeter Mykologe. Natürlich ist das ein Grund, Fachleute einzubeziehen. Es ist aber längst nicht der einzige.

BioComm soll nicht nur elektrische Signale aufzeichnen. Wir wollen unter möglichst realen Bedingungen im Feld messen, Zusammenhänge erkennen und später auch untersuchen, wie Myzel- und Mykorrhizanetzwerke auf gezielte Stimulation reagieren. Dabei können wir technisch sehr genau feststellen, dass etwas passiert. Sehr viel schwieriger ist die Frage, warum es passiert.

Genau an dieser Stelle werden unterschiedliche Fachrichtungen wichtig. Mykologie und Pflanzenwissenschaften gehören ebenso dazu wie Ökologie, Bodenwissenschaften, Elektrophysiologie, Datenanalyse oder andere Bereiche, an die wir heute vielleicht noch gar nicht denken.

Denn OpenMycoNet ist nicht angetreten, um eine bestimmte These zu beweisen. Wenn unsere Messungen etwas zeigen, müssen wir ebenso bereit sein, eine naheliegende Erklärung wieder zu verwerfen. Dazu braucht es Menschen, die unsere Methoden hinterfragen, Ergebnisse aus ihrer eigenen fachlichen Perspektive betrachten und auf Dinge aufmerksam machen, die wir selbst möglicherweise übersehen.

Ein Hyphist soll deshalb nicht einfach bestätigen, was wir ohnehin gerne hören würden.

Im Gegenteil.

Eine gute Kooperation kann auch darin bestehen, uns zu sagen: Ihr sucht gerade an der falschen Stelle.

Vielleicht liest diesen Text gerade jemand, der sich beruflich mit Pilzen, Mykorrhiza, Pflanzen, Böden, Ökosystemen, Elektrophysiologie oder einem angrenzenden Gebiet beschäftigt.

Dann ist genau diese fachliche Sicht für OpenMycoNet interessant.

Nicht, weil wir jemanden suchen, der unserem Projekt nachträglich ein wissenschaftliches Etikett aufklebt. Und auch nicht, weil bereits feststünde, was unsere Messungen irgendwann zeigen sollen.

Wir suchen Menschen, die bereit sind, mit uns hinzusehen. Die Fragen stellen, auf Fehler aufmerksam machen, eigene Erfahrungen einbringen und einer Interpretation widersprechen, wenn die Daten sie nicht hergeben.

Dafür gibt es bei OpenMycoNet den Hyphisten.


Der Sporist – damit aus Ideen etwas entstehen kann


OpenMycoNet ist ein unabhängiges Projekt. Aber Unabhängigkeit bedeutet nicht, dass Entwicklung, Hardware, Feldtests, Server, Kommunikation und später der Betrieb eines verteilten Messnetzes nichts kosten.

Der Sporist unterstützt OpenMycoNet deshalb finanziell oder mit anderen Ressourcen und schafft damit Möglichkeiten, die wir aus eigener Kraft nicht oder nur sehr viel langsamer realisieren könnten.

Auch hier ist uns die Abgrenzung wichtig: Förderung bedeutet bei OpenMycoNet nicht, Einfluss auf die Ergebnisse zu kaufen.

Ein Sporist finanziert keine gewünschte Aussage. Er unterstützt die Möglichkeit, eine Frage überhaupt untersuchen zu können.

Das ist ein Unterschied, auf den wir Wert legen.


Und wer betreibt die Knoten?


An dieser Stelle fehlt noch eine vierte Bezeichnung – könnte man meinen.

Die gibt es bewusst nicht.

Wer einen BioComm-Knoten betreibt, bildet bei OpenMycoNet keine eigene Rolle. Ein Knoten kann von einem Mycelisten ebenso betrieben werden wie von einem Hyphisten oder Sporisten. Der Knotenbetrieb ist eine zusätzliche Aufgabe innerhalb des Netzwerks und keine weitere Stufe darin.

Für Knotenbetreiber und Hyphisten stellen wir außerdem einen gemeinsamen Arbeitsbereich bereit. Dort soll es nicht nur um den Austausch untereinander gehen. Es können auch konkrete Aufgaben und Fragestellungen definiert und gemeinsam bearbeitet werden.

Wie das funktioniert und warum uns dieser Teil von OpenMycoNet wichtig ist, verdient allerdings eine eigene News.

Denn spätestens dort geht es nicht mehr nur darum, wer zum Netzwerk gehört – sondern wie das Netzwerk miteinander arbeitet.

#Netzwerk