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Das älteste Netzwerk der Erde

Unter unseren Füßen liegt das älteste und weitreichendste Kommunikationsnetzwerk der Erde. Mykorrhiza-Pilze verbinden seit 400 Millionen Jahren ~70 % aller Pflanzenarten miteinander — sie transportieren Nährstoffe, übermitteln Warnsignale und koordinieren das Leben im Boden auf eine Weise, die wir gerade erst zu verstehen beginnen. Sie senden elektrische Signale. Messbar. Reproduzierbar. Und bisher kaum entschlüsselt.

Dass es sich dabei nicht um eine Metapher handelt, sondern um einen wissenschaftlich belegten Informationskanal, geht maßgeblich auf die Waldökologin Suzanne Simard zurück: Ihre Feldforschung etablierte das Konzept des mykorrhizalen Netzwerks als messbaren Austauschweg zwischen Pflanzen, eine peer-reviewte Folgestudie von 2015 zeigte, dass Pflanzengemeinschaften darüber komplexes, adaptives Verhalten koordinieren können. Offen bleibt dabei die genaue Mechanik: Eine Studie zur Phosphat-Aufnahme aus dem Jahr 2005 beobachtet, wie eine Pilzart ihre Nährstoffaufnahme gezielt an lokale Angebote anpasst — kann die dafür nötigen Signalmoleküle im Hyphengeflecht aber nicht benennen. Ein plausibler Kandidat: elektrische Signalausbreitung im Myzel. Genau dort setzt BioComm an.

Die Frage, die OpenMycoNet stellt

OpenMycoNet stellt die einfache aber weitreichende Frage: Was passiert, wenn wir aufhören, Böden nur von außen zu analysieren — und stattdessen anfangen zuzuhören, was das Netzwerk selbst sendet? Was, wenn die Pflanze uns längst sagt, dass sie Durst hat, bevor wir es sehen? Was, wenn der Boden selbst meldet, dass ein Schädling naht, bevor der erste Schaden entsteht?

Diese Fragen sind — Stand heute — unbeantwortet. Sie bauen auf dem oben beschriebenen Forschungsstand auf, gehen aber bewusst darüber hinaus: Es handelt sich um OpenMycoNets eigene, noch offene Fragestellung, nicht um ein bereits erzieltes Ergebnis.

Kritische Einordnung: Was wirklich belegt ist

Nicht alle populären Behauptungen über das sogenannte „Wood Wide Web" sind durch Feldstudien ausreichend belegt — und OpenMycoNet bezieht diese Kritik ausdrücklich mit ein, statt sie zu verschweigen.

Eine 2023 in Nature Ecology & Evolution erschienene Analyse von Karst, Jones und Hoeksema zeigt, dass viele öffentlichkeitswirksame Aussagen über Mykorrhiza-Netzwerke der eigentlichen Feldforschung vorauseilen — durch positive Zitierverzerrung und überinterpretierte Einzelergebnisse. In einem Podcast-Gespräch ordnet eine der Autorinnen, Dr. Justine Karst, diese Debatte auch für ein Laienpublikum verständlich ein.

Das ist für OpenMycoNet kein Gegenargument, sondern der eigentliche Grund für das Projekt: Wir messen, weil die Datenlage noch dünn ist — nicht weil bereits alles bewiesen wäre.

Warum wir trotzdem messen

Das sind keine rein spekulativen Fragen. Die wissenschaftliche Grundlage existiert. Was fehlt, sind Daten — viele, aus verschiedenen Klimazonen, Substraten, Jahreszeiten. Genau das kann kein einzelnes Labor liefern. Aber eine weltweite Gemeinschaft von Menschen, die in ihrem Garten, ihrem Wald, ihrem Gewächshaus messen — schon.

Ausblick: offene Fragen, keine Ergebnisse

Sollte sich zeigen, dass sich Signalmuster für Trockenstress, Nährstoffmangel oder Schädlingsbefall unterscheiden lassen, könnten Mykorrhiza-Netzwerke eines Tages als eine Art Frühwarnsystem dienen — für die Landwirtschaft ebenso wie für den Waldschutz. Auch ein möglicher Zusammenhang zwischen gesunden Netzwerken und CO₂-Bindung im Boden wird diskutiert. Das sind ausdrücklich Möglichkeiten, keine Ergebnisse: OpenMycoNet hat dazu bislang keine eigenen Messdaten — genau deshalb existiert das Projekt.

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